Veröffentlichungen – Veröffentlichungen zum Messwesen

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW)

Hintergrund


Die Energiewende beschleunigt den Umbau der Elektrizitätsversorgung in Deutschland erheblich. Während in der Vergangenheit elektrischer Strom nur in eine Richtung floss und Informationen über die Stromflüsse sehr begrenzt waren, ist das dezentrale Stromversorgungssystem der Zukunft aufgrund der steigenden Anzahl von dezentralen Energieeinspeisungen durch Informations- und Stromflüsse in zwei Richtungen gekennzeichnet.
Insbesondere auf der Verbraucherseite verändert sich viel: Passive Stromkonsumenten ent-wickeln sich mehr und mehr zu „Prosumern“ (also Verbraucher und Erzeuger), die aktiv an der Gestaltung des Stromversorgungssystems teilnehmen. In der Summe erhöhen diese Veränderungen insbesondere die Anforderungen an die einzusetzenden Mess- und Kommunikationstechnologien und Datenverarbeitungssysteme.

Moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme

Hierbei kommt den sogenannten modernen Messeinrichtungen (mMe) und intelligenten Messsystemen (iMsys) eine wichtige Rolle zu. Sie können je nach Ausstattung für Letztverbraucher, Erzeuger und Netzbetreiber verschiedene Aufgaben wahrnehmen:

• die notwendigen Verbrauchsinformationen bereitstellen,
• die notwendigen Erzeugerinformationen bereitstellen,
• Netzzustandsdaten übermitteln,
• sichere und zuverlässige Steuerungsmaßnahmen unterstützen,
• als Kommunikationsplattform im intelligenten Energienetz dienen.

mMe und iMsys sind allerdings auch ein Instrument für mehr Energieeffizienz. Zum einen erhält der Letztverbraucher präzise Informationen über sein Verbrauchsverhalten. Zum anderen ermöglichen insbesondere die iMsys die Umsetzung variabler Tarife durch die Stromanbieter.
Dabei unterscheiden sich die iMsys von den mMe durch die Einbindung in ein geschütztes Kommunikationsnetz, das nach höchsten Datenschutz-Standards des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) betrieben wird.

Aufbau eines intelligenten Messsystems
Aufbau eines intelligenten Messsystems

Von der EU-Richtlinie zur nationalen Gesetzgebung


Die genannten verbraucherorientierten Zwecke veranlassten die Europäische Kommission,im Anhang der dritten Binnenmarktrichtlinien Strom und Gas (Richtlinien 2009/72/EG und 2009/73/EG) den Mitgliedstaaten aufzugeben, Letztverbraucher mit mMe beziehungsweise iMsys auszustatten. Dabei haben die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, im Zuge der nationalen Gesetzgebung eine eigene Umsetzungsstrategie (Rollout) zu entwickeln.


Das am 2. September 2016 in Deutschland in Kraft getretene „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ ordnet das künftige „intelligente“ Messen grundlegend neu. Dabei ist zuerst maßgeblich der Strombereich von den Neuerungen betroffen. Jedoch ist bereits im GDEW die Möglichkeit angelegt, dass die Gas- sowie die Fernwärme- und Heizwärmemessung über das Kommunikationsnetz des iMsys erfolgen. Zudem werden eine Vielzahl von bestehenden Gesetzen, Verordnungen und Festlegungen geändert oder abgeschafft.

Der wichtigste Bestandteil des GDEW ist das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Dieses enthält die Regelungen zum Strom- und Gas-Messstellenbetrieb, insbesondere

• zu den technischen Anforderungen an Messeinrichtungen,
• zur operativen Abwicklung des Messstellenbetriebs,
• zu den erforderlichen vertraglichen Beziehungen der Akteure,
• zu Datenschutz und Datensicherheit.

Die Rollout-Verpflichtung


Das MsbG verpflichtet die Messstellenbetreiber, für Verbrauchsstellen bis 6.000 kWh/Jahr und für Erzeugungsanlagen bis 7 kW Anschlussleistung sogenannte moderne Messeinrichungen (mME) einzubauen. Dies betrifft rund 80 Prozent aller Kunden.  Für Verbrauchsstellen von mehr als  6.000 kWh/Jahr und für Erzeugungsanlagen ab 7 kW Anschlussleistung ist der Einbau von iMsys vorgeschrieben.

Fragen und Antworten zum GDEW

1. Was ist eine moderne Messeinrichtung?


Eine moderne Messeinrichtung (mME) ist ein elektronischer Stromzähler, der den tatsächlichen Elektrizitätsverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegelt und nicht in ein Kommunikationsnetz eingebunden ist. Für mMe ist eine einfache Auslesemöglichkeit der Messdaten durch den Kunden vorgesehen.

2. Was ist ein intelligentes Messsystem?


Ein intelligentes Messsystem (iMsys) besteht aus mindestens einer modernen Messein-richtung und einem Kommunikationsmodul (Smart-Meter-Gateway). Über das Smart-Meter Gateway werden die in der mMe erzeugten Messdaten an den Messstellenbetrei-ber übertragen.
Die Smart-Meter-Gateways und der Datenverkehr werden von einem Gateway-Administrator verwaltet und überwacht. Der Gateway-Administrator unterliegt den hohen Zertifizierungsanforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Damit ist ein Höchstmaß an Datenschutz für die Messwert-Speicherung und -Übertragung gewährleistet.
Der Messstellenbetreiber wird dem Kunden für ein iMsys eine Visualisierung der Messda-ten (Höhe des Verbrauchs oder der Einspeisung und zeitlicher Verlauf) zur Verfügung stellen. Damit kann der Kunde sein Verbrauchsverhalten überprüfen und gegebenenfalls optimieren.

3. Wie führt die Main-Donau Netzgesellschaft den Rollout durch?

Die Main-Donau Netzgesellschaft übernimmt die Rolle des grundzuständigen Messstel-lenbetreibers nach §2 Ziffer 5 MsbG.
Der Rollout von iMsys und mMe (für Strom) ist im Zeitraum von 2018 bis 2032 geplant. Die Staffelung erfolgt nach Jahresverbrauch (bei Verbrauchsanlagen) beziehungsweise nach Anschlussleistung (bei Erzeugungsanlagen).

Zeitplan für den Umbau von Bestandsanlagen

Gruppe Verbraucher
Messsystem Verbrauch [kWh/Jahr] Rollout-Beginn
 mMe kleiner 6.000 2018
 iMsys  6.000 bis 10.000 2021
iMsys  10.000 bis 100.000 2018
 iMsys größer  100.000 2021

 

Gruppe Erzeuger/Einspeiser
Messsystem Verbrauch [kWh/Jahr] Rollout-Beginn
 mMe* bis 7 kW 2018
 iMsys  größer 7 kW 2021
*Bei Erzeugungsanlagen zwischen 1 und 7 kW Anschlussleistung kann der Messstellenbetreiber entscheiden, ob alternativ ein iMsys eingebaut wird.

Der tatsächliche Start des Rollouts ist abhängig von der Verfügbarkeit gesetzeskonformer und entsprechend zugelassener Messeinrichtungen am Markt und kann sich daher noch verzögern.


Neuanlagen und Renovierungen

Bei Neuanlagen und Renovierungen werden mMe und iMsys grundsätzlich bereits ab 2018 eingebaut. 


 

4. Wie informiert die Main-Donau Netzgesellschaft über den Rollout?


Der Messstellenbetreiber legt regionale Bereiche  fest,  in denen sukzessive auf mMe und iMsys umgestellt wird.
• Sechs Monate vor Beginn des Rollouts: Information auf öffentlichem Wege (Anzeiger, Internetseiten) über den geplanten Rollout-Beginn
• Drei Monate vor Beginn der Umrüstung: schriftliche Information an den einzelnen Kunden über den geplanten Umbau-Zeitraum
• Zwei Wochen vor der Umrüstung: schriftliche Information an den einzelnen Kunden über den genauen Umbautermin

5. Welche Kosten fallen für mMe und iMsys an?


Die Main-Donau Netzgesellschaft als Messstellenbetreiber wird ein jährliches Entgelt für die Einrichtung und den Betrieb der Messstellen verrechnen. Hierfür hat der Gesetzgeber in §31 MsbG (für iMsys) beziehungsweise in §32 MsbG (für mMe) gestaffelte Preis-obergrenzen festgelegt.
Die Main-Donau Netzgesellschaft wird innerhalb der im MsbG festgelegten Fristen im Laufe des Jahres 2017 auf öffentlichem Wege (Anzeiger, Internetauftritt) das Preisblatt für die Messentgelte veröffentlichen.  

6. Kann der Kunde den Einbau verweigern?


Nein, der Kunde hat keine Möglichkeit, sich dem Einbau zu widersetzen. Im Messstellenbetriebsgesetz §36 (3)  heißt es:
„Weder Anschlussnehmer noch Anschlussnutzer sind berechtigt, die Ausstattung einer Messstelle mit einem intelligenten Messsystem … oder die Anbindung seiner Erzeugungsanlagen oder der Messeinrichtung für Gas an das intelligente Messsystem … zu verhindern oder nachträglich wieder abzuändern oder abändern zu lassen.“

7. Wo finden sich weiterführende Informationen?


Weitere Informationen zum „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ finden Sie auf folgenden Internetseiten:
Digitalisierung der Energiewende:
http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/digitalisierung-der-energiewende.html
Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende:
http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Gesetz/gesetz-zur-
digitalisierung-der-energiewende.html

 

8. Kontakt

Bei Fragen und Wünschen* zur individuellen Rolloutplanung bei intelligenten Messsystemen wenden Sie sich bitte an folgende E-Mail Adresse:

imsys.rolloutplanung@main-donau-netz.de

*Die Berücksichtigung von Anfragen bzgl. der individuellen Planung des Rollouts von intelligenten Messsystemen obliegt dem Messstellenbetrieb.

 


 

 

Weiteres zum Thema Messwesen


In dieser Rubrik stellen wir Ihnen alle relevanten Dokumente zum Messwesen zur Ver-fügung. Gesetzliche Verordnungen, Verträge, technische Mindestanforderungen und Auskünfte über die Messgeräte geben Ihnen einen Überblick über das Messwesen der Main-Donau Netzgesellschaft.

Gesetzliche Regelungen

Die wesentlichen Regelungen zum Messwesen.

Verträge

Im Folgenden finden Sie den Messstellenrahmenvertrag und Messrahmenvertrag der Main-Donau Netzgesellschaft.

Der Messstellenrahmenvertrag regelt die Rechte und Pflichten zum Einbau, Ausbau, Betrieb, Wartung und Messung von Messeinrichtungen nach §21b des Energiewirtschaftsgesetzes und entspricht im Wortlaut den Beschlüssen BK6-09-034 und BK7-09-001 (WiM) des in Anlage 3 beigelegten Mustervertrags.

 

Der Messrahmenvertrag regelt die Rechte und Pflichten zur Messung von Messeinrichtungen nach §21b des Energiewirtschaftsgesetzes und entspricht im Wortlaut den Beschlüssen BK6-09-034 und BK7-09-001 (WiM) des in Anlage 4 beigelegten Mustervertrags.

Messwesen - Technische Mindestanforderungen

Nachfolgend finden Sie unsere technischen Mindestanforderungen im Messwesen:

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